Was ist eine Programmiersprache?

Als Programmiersprache bezeichnet man die Notationen, die nach bestimmten Regeln in menschenlesbaren Programmen für programmierbare Maschinen enden. Programmiersprachen bestehen aus Wörtern oder Wortteilen, meist aus dem Englischen, und Trennzeichen. Programmiersprachen müssen so konstruiert sein, dass ihre Extrakte durch automatische Übersetzung oder Interpretation in Maschinensprache gewandelt werden kann. Das schränkt natürlich die Möglichkeiten der Sprache ein. Eine Programmiersprache kann nicht wie menschliche Sprache funktionieren. Sie muss in ganz anderer Weise eindeutig sein und sie hat keine sozial oder kulturell bedingten Ausformungen. Trotzdem bieten auch Programmiersprachen Freiheiten. Es gelingt immer wieder Programmierern, durch ihre individuellen Methoden und ihren ganz persönlichen Ausdruck einem Werk ihren Stempel aufzudrücken.

Das ist allerdings nicht das Ziel. Programmiersprachen sollen auf der einen Seite Programmierung in menschenlesbarer Form ermöglichen und auf der anderen Seite diese Arbeit soweit wie möglich vereinfachen. So entsteht in der Entwicklung aller Programmiersprachen das Spannungsfeld zwischen fehlerfreier Übersetzbarkeit und Bequemlichkeit für den Programmierer im Mittelpunkt. Lesbarkeit, Knappheit und Sicherheit sind nur einige Koordinaten dieses Spannungsfeldes.

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Warum eigentlich Sprache, wenn niemand es sprechen kann?

Die meisten Menschen verstehen unter einer Sprache ein System von Wörtern und Zeichen, mit dem sich Menschen untereinander verständlich machen. Nicht nur, aber auch durch Lautbildung, durch Sprechen. Niemand aber spricht Programmiersprachen. Was ist denn nun eine Sprache? Darüber haben sich schon Generationen von Sprachwissenschaftlern Gedanken gemacht. Stellvertretend hier eine Definition des amerikanischen Linguisten Edward Sapir von 1921:

„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“
Edward Sapir: zitiert nach John Lyons, 4. Auflage, 1992, S. 13

Mit etwas gutem Willen kann man danach tatsächlich Programmiersprachen als Sprachen bezeichnen, auch wenn die meisten Programmierer an der Übermittlung ihrer Gefühle und Wünsche in diesen Systemen scheitern würden. Programmiersprachen bilden jede für sich ein Kommunikationssystem, das durch Wörter und Zeichen Verständigung anstrebt – von Mensch zu Mensch und in der Übersetzung dann von Mensch zu Maschine.

Semiotik, Syntax und Semantik

Wie alle Sprachen dienen auch Programmiersprachen der Informationsverarbeitung. Die Grundeinheit jeglicher Information ist das Zeichen. Mit ihm, mit den Zeichensystemen und -prozessen beschäftigt sich die Semiotik. Sie analysiert, unter welchen Voraussetzungen eine codierte Nachricht zum Empfänger gesendet und von diesem decodiert, klassifiziert und interpretiert werden kann. Jedes Zeichen vereint verschiedene Aspekte in sich:

  • Das Signifikat (das Bezeichnete) entspricht der inhaltlichen, der Bedeutungsseite des Zeichens.
  • Der Signifikant (der Bezeichnende) entspricht der Ausdrucksseite des Zeichens.
  • Valeur (Wert) entspricht der Position und dem Wert des Zeichens in Beziehung zu anderen Zeichen.
  • Chose (außersprachliche Realität) entspricht dem Umfeld, auf das das Zeichen trifft. In der Programmiersprache ist es einmal der Programmierer in seinem sozialen und kulturellen Sein und auf der anderen Seite die Maschine mit ihren Funktionen.

Jede Sprache muss, damit Sie eine Chance hat, verstanden zu werden, über eine Struktur verfügen. Diese Struktur nennt man in der Programmiersprache wie in natürlichen Sprachen die Syntax, die äußere Erscheinungsform. Sie ist ein entscheidender Faktor für das Verständnis des Codes. Noch wichtiger ist in Programmiersprachen die Semantik der Zeichen, das ist ihre Bedeutung. Anders als in natürlichen Sprachen gibt es nicht sozial oder kulturell interpretierbare Bedeutungen. Die Bedeutung eines Zeichens muss in ihrem Zusammenhang eindeutig sein.

Das Schwierige an Programmiersprachen ist, dass sie von Sprache zu Sprache teilweise für das gleiche Zeichen eine vollkommen andere Bedeutung haben. Programmiersprachen kommen mit einem relativ geringen Wort- und Zeichenschatz aus. Ihre Zeichen sind in der Regel aus der Mathematik entlehnt, ihre Wörter oder Teilwörter aus dem Englischen. Deshalb ist es gut, wenn jede/r angehende Programmierer/in wenigstens über Grundkenntnisse der englischen Sprache verfügt.

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